Grafikbetten für Buchfragmente und Muster

Grafikbetten für Buchfragmente und Muster als Anschauungsmaterial in der Buchrestaurierung

Ein Bericht von Frau Margret Jaschke, Restauratorin und langjähriger Mitarbeiterin der Institution MATENADARAN über ihr Erlebnis Im Institut für alte Handschriften in Yerevan/Armenien.

Ein Kunde hatte eine alte Handschrift von einer Fachkraft der Restaurierungsabteilung mit neuem Einband versehen lassen. Die Papier-Handschrift war, sowohl was den Buchblock als auch die Deckel betraf, stark beschädigt. Der Kunde war jedoch lediglich daran interessiert, dass das wertvolle mehrere hundert Jahre alte Manuskript, ein Evangeliar, seiner Familie zu weiterem Gebrauch wieder zur Verfügung stehen sollte. Deshalb wünschte er einen neuen Einband für den restaurierten Buchblock. Die restauratorische Arbeit war beendet und das Objekt seinem Besitzer zurückgegeben, als ich den nun nicht mehr benötigten "herrenlosen" (besser: buchlosen) Deckel vorfand. Dieses nun anscheinend für niemanden (außer für mich!) wertvolle Stück erbat ich; und das Schmunzeln der Mitarbeiter als man mir "das Geschenk" überreichte, machte deutlich, dass wohl niemand meine Bitte so recht verstand.

Das ist nun etwa 10 Jahre her. Im Laufe meiner langjährigen Mitarbeit in dieser Institution MATENADARAN hatte ich erfahren, wie wenig man in der Buch- bzw. Restauratoren Szene voneinander weiß: weder wissen westliche Buchrestauratoren im Allgemeinen wenig bis nichts von der besonderen historisch überlieferten armenischen Methode des Bucheinbands, noch sind die armenischen Kollegen sich dessen und der so anderen Entwicklung der westlich-europäischen Einbandgeschichte und heutigen Praxis bewusst. Ausgerechnet diese verwaisten und beschädigten, aber originalen armenischen Einbanddeckel dienen mir seither als sprechende Zeugen armenischer Einbandentwicklung und Buchkultur. An ihnen werden interessante typisch armenische Details sichtbar: die verhältnismäßig dünnen (nur 2 bis 4 mm), quer gemaserten Holzdeckel und deren Reparatur, die Deckelbearbeitung mit Grobgewebe im äußeren Bereich des Rückens, die Art und Befestigung des Kapitalbundes, Heftung, Bohrungen zur Befestigung von Buchverschlüssen usw… Sogar die aufgeschnittene Heftung hat noch reichliche Informationen zu bieten.

Es hat sich gezeigt, dass sich z. B. bei wiederholtem von-Hand-zu-Hand-geben dieser originalen sehr labilen historischen Einbanddeckel Fäden lösen oder Holzrisse vergrößern etc. Auf diese Weise baut sich die vorhandene Substanz nach und nach weiter ab. Um das zu verhindern, hat sich nun ein maßgeschneidertes Grafikbett von KLUG als ideal erwiesen: als Mappe problemlos transportabel und mit gut durchdachtem "Innenleben": Das Objekt ist nun in einem stabilen Rahmen mit Nylonfäden und unter leichter Spannung aufgehängt. Dieser Rahmen ist aus der Basis bequem herausnehmbar (möglich durch zwei gegenüberliegende Eingriffe) und kann gewendet werden, je nachdem welche Seite betrachtet werden soll, ohne dass das Objekt direkt berührt werden muss.

Für die Beratung, das konstruktive Mitdenken (auch bei zwei weiteren ähnlichen Projekten) und die Kompetenz der Kundenberaterin, sowie die einwandfreie praktische Umsetzung meiner Vorstellungen durch das Personal der Firma KLUG-CONSERVATION kann ich nur höchstes Lob aussprechen.

Das Anwendungsbeispiel können Sie auch ausdrucken.

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